Eine neue DAF-Story
Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft ist tot, es lebe die Deutsch-Amerikanische Freundschaft! Über den Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten war dies das Motto zahlreicher Techno-EBM-Jünger. Nun gibt´s doch tatsächlich „15 neue DAF-Lieder“ - Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl tauchten nach Jahren in der Versenkung zu Beginn des Jahres 2003 wieder als kongeniales Duo „DAF“ auf.
Die Fusion der Energie mit hypnotischer Minimalistik - das ist DAF. „Das ist nun mal der Stil, den wir für die Welt kreiert haben. Unsere Fußnote in der Musikgeschichte kann uns keiner mehr nehmen“, so spricht Görl selbstbewusst über ihren Stellenwert in der Historie elektronischer Pop-Musik.
Seit 1986 betrachteten Robert und Gabi die Szene von außen, auch wenn sie sich nie ganz von ihr verabschiedeten. „Wir haben uns anderweitig kreativ ausgelebt. Ich war in Clubs unterwegs, habe mich der Kunst und der Modewelt gewidmet“, so Gabi. Zwischenzeitlich nahm Kollege Görl ein Album mit Eurythmics-Sängerin Annie Lennox auf, schrieb an Büchern und wäre fast in einem indischen Kloster gelandet. „Vor drei Jahren war dann wieder das Gefühl dafür da, ein neues Bild als DAF zu malen.“
Das Ergebnis heißt „15 neue DAF-Lieder“ und fällt etwas verdächtig in eine Zeit, in der Deutschlands frühe New-Wave- und Punk-Bewegung wieder angesagter ist als je zuvor. „Purer Zufall!“, kommentierte Robert. „Die Idee zum Comeback hatten wir schon länger. Die anderen Bands haben sich mit ihren Platte sehr beeilt.“ Gabi fügte mit einem Lächeln hinzu: „Man ist eben nie alleine. Es gibt manchmal Ideen, die einfach in der Luft liegen. Das gab es schon im Dadaismus; das hat es so oft in Kunst und Musik gegeben, auch wenn es sich immer unterschiedlich artikuliert.“
Die Artikulation war DAF immer wichtig; der häufig benutzte Imperativ und Kraftworte wie „schön“, „jung“ und „stark“ prägten stets ihre Lieder. Und daran änderte sich nichts: „Die Bedeutung eines Wortes ist für mich entscheidend“, versicherte Gabi. „Wenn mir auffällt, dass wir zu wenig `Sex-Worte´ auf unserer Platte haben, erhöhe ich die Sexquote.“ Kein Wunder also, dass die Texte im Zusammenspiel mit ihren gewohnt minimalistisch gehaltenen Beats immer noch einen ähnlich masochistischen Eindruck vermitteln wie seiner Zeit „Der Mussolini“. Somit ist DAF gelungen das neue Album wie einen zeitlosen Klassiker klingen zu lassen. Gabi erläuterte: „In den letzten Jahren wurden uns oft Angebote gemacht, so nach dem Motto: Zieht wieder Lack und Leder an und tanzt nochmal den Mussolini. Aber wir wollte ja 15 neue DAF-Lieder machen.“ Und die tragen jetzt so „quotenbewusste“ Titel wie „Ich bin tot“, „Du bewegst Dich“, „Rock hoch“ oder „Der Sheriff“.
Letzteres nennen die beiden Burschen übrigens das „Anti-Amerikanische Lied der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft“. Damit scheint selbst der Bandname im aktuellen Kontext zu stehen. Gabi Delgado fügt hinzu: „Es ist eben alles eine Sache des richtigen Timings. Mit DAF ist es wie in der Liebe. Mal triffst Du ein Mädchen, und weil´s der falsche Tag ist läuft nix. An einem anderen Tag ist sie die Traumfrau und alles fällt leicht.“