Der König ist tot, es lebe der König!
„Rio Reiser´s Musik ist die beste Alternative zu einem schlechten Tag, sie spendet Kraft und Identität“, urteilte einst Blixa Bargeld, bekannt als Kopf der Einstürzenden Neubauten. Im Jahre 1986 veröffentlichte Rio Reiser mit „Rio I.“ sein erstes von insgesamt sechs Solo-Alben.
Diese Platte verschaffte Rio Reiser erstmals Zugang zum Gehör einer breiteren Masse oder um es eindeutig zu sagen: Erst als Solokünstler fand Rio´s Musik Zuspruch beim Normalverbraucher. Mit seinem Smasher „König Von Deutschland“ oder seinem Kuschel-Hit „Junimond“ erlangte der ehemalige Polit-Rocker Mitte der 80er Jahre einen für ihn eher ungewöhnlichen Bekanntheitsgrad.
Mehr als zehn Jahre zuvor machte sich Ralph Moebius, so sein fast unbekanntes bürgerliches Pseudonym, erstmals einen Namen: Seine Band „Ton, Steine, Scherben“ definierte die damals krasse Independent-Szene und sorgte, neben Acts wie „The Can“ oder „Kraftwerk“ für die Initialzündung der vielschichtigen deutschen Rockmusik.
Viele seiner Fans, die ursprünglich in den Hausbesetzer-Cliquen angesiedelt waren, begleiteten Rio während seiner Pop-Karriere und schätzten immer wieder seinen ehrlichen Ausdruck. Er machte beispielsweise nie ein Geheimnis daraus, dass er die kommerzielle Musik benötigt hat um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die geschickte Doppeldeutigkeit seiner Worte, seine an Facetten reichen Klänge waren seit „Rio I.“ für viele Fans der direkte Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, einer Haltung, eines Gedanken - und nicht mehr bloß politisch.
Am 20. August 1996 starb Rio Reiser im Alter von 46 Jahren.