Der schwarze Schmetterling - Teil IV
„Aus der Tiefe“, das vierte Studioalbum von ASP, hebt sich stark von den bisherigen Veröffentlichungen der Frankfurter Formation ab, es steht ihnen jedoch weder in der Qualität des Klangs noch in der Tiefgründigkeit der Aussage nach.
Wie schon bei den vorausgegangen Werken steckt viel Liebe im Detail und die harmonisch komponierten Melodien wechseln sich mit treibenden Gitarrenriffs ab.
Auch im vierten Teil der „Tales“ wird die Backgroundstory der ersten ASP-Alben weiter gesponnen: Stück für Stück bekommt man mehr Einblick in die verworrene Phantasien, denen die Legende um den schwarzen Schmetterling entspringt. Mastermind Alexander Spreng spannt die düstere, bizarre und zuweilen zerbrechliche Welt, die der Spielplatz seiner Erzählungen ist, immer weiter auf.
Im Gegensatz zur letzten sehr gitarrenlastigen ASP-Scheibe, „Weltunter“ aus dem Jahre 2003, erscheint dieses Werk geradezu zärtlich und verträumt; doch zweifelsohne kann man sich auch hier über ein paar mitreißende Songs freuen.
Interessant und sicherlich auch gewöhnungsbedürftig ist, dass das Album mit seinen erzählenden Zwischensequenzen streckenweise an ein Hörspiel erinnert.
Kunstvoll wird eine subtil-wunderliche Atmosphäre geschaffen, die gewiss dem einen oder anderen Hörer einen Schauer über den Rücken jagt. Ganz allmählich wird man durch die mal flüsternde, mal schreiende Stimme Sprengs durch seine groteske Welt geführt; Wahnsinn und Leidenschaft erscheinen zum Greifen nah.
Gleich der erste Song „Beschwörung“ macht mit seinem sanften Rhythmus Appetit auf die weiteren Songs.
Der Hauptgang gestaltet sich zwischen Rock und Schnulze äußerst abwechslungsreich. Die Single-Auskopplung „Schwarzes Blut“ wird mit ihrem einprägsamen Text von rockigen Gitarrenriffs nach vorne getrieben. Ein weiteres Highlight der Scheibe ist die sehr ruhige und getragene „Ballade von der Erweckung“, die an ASPs früheren Club-Hit „Die kleine Ballade vom schwarzen Schmetterling“ erinnert; doch wer sich von dieser Geschichte bezaubern lassen möchte, braucht einen langen Atem. Aber keine Angst: Aufgeweckt wird man sicher vom gesellschaftskritischen Song „Tiefenrausch“, der das „vernunftbegabte Tier“ zum Denken anregt.
Weiter in der Reihe der Highlights geht es mit „Werben“, das mit zartem Violinenklang gemischt und stampfenden Beat zum Ohrwurm der vorliegenden Platte avanciert. Als Dessert findet sich prompt das fünfteilige „Spiegelauge“, das mit „Panik“ als „rhetorischem Bonbon“ lockt.
Auch wenn böse Zungen den Stil von ASP gelegentlich als „Grufti-Schlager“ bezeichnen, wird sich die Meinung vieler klischeebehafteten Kritiker beim Genuß dieses Albums sicherlich in Wohlgefallen auflösen. Denn nicht nur im Studio, sondern auch auf der Konzerttournee „Aus der Tiefe“ lieferten ASP im Jahr 2005 erstklassige Arbeit ab.